Es gibt genau zwei Möglichkeiten…

…Menschen bei ihrem Weg in die Arbeitswelt zu begleiten. Die von gestern und die von morgen. Die Methode von gestern hat eine Vielzahl bewusster und unbewusster Befürworter und dominiert die gesellschaftliche Praxis. Ihre Grundmaxime heißt, Menschen passend zu machen – für die (behaupteten) Bedürfnisse des Arbeitsmarktes, der Unternehmen und der Gesellschaft im Allgemeinen.

Menschen sollen lernen, sich unter- und einzuordnen. Das ist für diejenigen praktischer, die „etwas mit ihnen anfangen“ wollen. Die jeweiligen Chefs, Lehrer,  Regierungen oder Behörden.  Der Mensch ist für die Wirtschaft da, nicht umgekehrt. So direkt wird es zwar nicht ausgesprochen. Es heißt, man solle sich „am Arbeitsmarkt orientieren“, Menschen müssten ein „Profiling“ machen, damit (andere) „passgenau“ herausfinden, wo ihre Stärken sind und wie man sie in den Markt einsortieren kann. Viele der so genannten „Maßnahmen“, in denen man lernt, sich „richtig“ zu bewerben und „korrekt“ aufzutreten, beruhen darauf – sie nehmen Maß, checken ab, in welchen Karton man „die Ware“ einsortieren kann. Passgenau. Problem ist nur, dass „die Ware“ in diesem Fall eigenständige Lebenwesen sind, Menschen mit einer Biographie, mit Zielen, Träumen und Bedürfnissen, die möglicherweise nicht im Katalog stehen.

Hat man einmal Maß genommen, lässt sich auch alles schön aufrechnen – Vermittlungsquoten, Arbeitslosenquoten, saisonale oder regionale Schwankungen, menschliche Ladenhüter mit „multiplen Vermittlungshemmnissen“. Ob diese Menschen Arbeit finden, in der sie wirklich zufrieden sind und sich voll einbringen können, ist schwieriger zu erfassen. Der Unterschied zwischen Quantität und Qualität.

Die Methode von morgen ist zunächst einmal eine Einstellung. Ich nehme  ernst was Menschen sind, was sie wollen, und was sie ätzend finden. Es geht um nicht weniger als das Recht auf Glück, „the pursuit of happiness“, wie es die amerikanische Verfassung proklamiert. Ist Arbeit dazu da, uns glücklich zu machen? Wenn wir frustriert oder gelangweilt sind, können wir über kurz oder lang nicht gut sein in dem, was wir tun. Wir tun weder uns etwas Gutes, noch können wir etwas Gutes hervorbringen.

Die Methode von morgen lehnt den Gedanken von Arbeit als Selbstzweck ab. „Lieber irgendeine Arbeit als überhaupt keine“ ist ein gedankenloser Spruch, der von denen stammt, die wie das Fettauge oben schwimmen und darum Unterordnung prima finden. Bei ihrer eigenen  Partnerwahl würden sie niemals „lieber irgendeinen als überhaupt keinen Partner“ zum Grundsatz machen.

Die Methode von morgen nennt sich lieber einen Weg, der auf  den Stolz und die  Würde der Menschen baut. Wir können nur glücklich und erfolgreich sein, wenn wir ganz hinter dem stehen, was wir beginnen. Würdelos in Arbeit hineingehen kann nur niveaulose Ergebnisse erzeugen. Wenn wir unsere Erwartungen herunterschrauben und „das kleinere Übel“ wählen, kommt dabei nichts vernünftiges heraus. Auf die Partnerwahl übertragen würde das heißten: Ich habe halt die Richtige noch nicht gefunden. Da hilft es auch nicht, der Zweitbesten  hinterherzulaufen.

Arbeit bleibt in unserer Gesellschaft wichtig. Aber es ist gut, dass immer mehr Menschen Familie und Freizeit wichtiger als Karriere finden. Viele Arbeiten sind fragwürdig, genauso wie ihre Endprodukte.  Wichtige soziale und kulturelle Arbeiten können nicht länger mit einem Minimum an Menschen geleistet werden. Die Frage, wie wir arbeiten und leben wollen, benötigt freie, selbstbewusste und glückliche Menschen, die darüber souverän entscheiden. Wann werden wir Kunden und Arbeiter Könige, die bestimmen, was hergestellt und wie gearbeitet wird? Wenn wir uns unserer Würde bewusst geworden sind.

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