Die Zukunft ist regional

Feedback zur Initiative „Die Zukunft sind wir“

Wenn wir „Zukunft“ sind, empfiehlt es sich, nicht (zu sehr) auf die Politik zu setzen, sondern uns selbst als zivilgesellschaftliche Gestalter einbringen. Um so mehr, wenn es um Zukunftsstrategien und Szenarien geht, die auf eine Selbstbeschränkung von Politik und Wirtschaft setzen. Wir brauchen – auch unabhängig vom Klimawandel – eine gemeinwohlorientierte, zukunftsfähige, Ökonomie – gesunde Ernährung, langlebige, Ressourcen-schonende und qualitativ hochwertige Alltagsgüter, regenerative Energieversorgung, intelligent konzipierten, verbrauchsarmen Verkehr. Um einen solch fundamentalen Wandel zu forcieren, sind starke Initiativen aus der Mitte der Gesellschaft enorm wichtig, an denen die Politik nicht vorbeikommt. Mit ein bisschen Bio ist es nicht getan, wenn weiter massenhaft Tiere und ganze Arten vernichtet werden und das ökologische Gleichgewicht massiv gestört wird. Diese Aufgabe hat eine technologische Komponente (z. B. Elektromobilität, regenerative Energien), ist aber im Kern humanitär und sozial. Wir benötigen eine Wirtschaft, die an sozialem Frieden und Wohlstand, an Gesundheit und an der Natur ausgerichtet ist. Dies setzt voraus, dass Unternehmen sich (neu) regional verwurzeln. Zukunftsfähige Wirtschaft ist kleinteilig, innovativ und lokal. Sie orientiert sich primär an der regionalen Selbstversorgung. Die hier vor Ort überprüfbaren Schwerpunkte, nachhaltig und sozial, gelten dann auch für internationalen Aktivitäten. 

Demokratie braucht heute ergänzende Instrumente gegenüber den bisherigen „Volksvertretungen“. Das alte System ist zu starr, zentralistisch, und obrigkeitsfixiert. Die Lösung liegt vor allem in der Dezentralisierung. Auch Politik der Zukunft ist regional – mit lokalen Entscheidungskompetenzen in den Bereichen Arbeit, Schule, Bildung, Forschung, Gesundheit und Soziales. Je näher und unmittelbarer sich die öffentliche Koordination („Politik“) an den Lebensverhältnissen der Bürger ausrichtet, desto besser entfaltet sie demokratische Mitwirkung und positive Wirksamkeit. Sinnvoll könnten vielleicht Einheiten sein, die aus Kommunen plus Umland zusammengesetzt sind. Auf der zentralen Ebene der alten Bundespolitik können sich neben Infrastruktur-Aufgaben (z. B. Verkehr, globale Kommunikation, Ausland, Sicherheit etc.) Think-Tanks etablieren, die für die Regionen Lösungen ausarbeiten.

Entbürokratisierung, Demokratisierung, ökologischer Umbau und soziale Einbindung der Marktwirtschaft treten so lange auf der Stelle, wie die entschiedene Regionalisierung und der Abbau der zentralisierten Strukturen nicht begonnen wird. Dies gilt für die politische Ebene genauso wie für die Konzernstrukturen, die ihrer Natur nach nicht im Interesse der Bürger sein können. Selbstverwaltung und Selbstversorgung brauchen Dezentralität, um demokratisch, sozial und nachhaltig zu werden. Insofern können bundesweite Volksentscheide und ein bedingungsloses Grundeinkommen zwar in den heutigen Strukturen eine gewisse Verbesserung bewirken. Problematisch ist aber, dass sie die Struktur der Massengesellschaft voraussetzen – sowohl den zentralistischen Staatsapparat als auch die hyperrationalisierte, anoyme Massenproduktion. Massenvoten und anonymes Einkommen sind keine echten Lösungen für die gegenwärtigen Systemmängel, sondern führen dazu, sie durch opportune Kompromisse weiter aufrecht zu erhalten.

Um nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen, sind verschiedene Instrumente denkbar:

  • Breite Erkenntnis der elementaren Notwendigkeiten des Wandels und Bereitschaft, in einen ergebnisoffenen, fairen und respektvollen Dialog darüber einzusteigen
  • Institutionalisierung eines Zukunftsdialogs in gesellschaftlichen Foren, online und offline-Events
  • Bestimmung expemplarischer Best-Practice Projekte, die bereits seit langem gut funktionieren
  • Prototypen, in denen gesellschaftliche und wirtschaftliche Erneuerung modellhaft erprobt wird
  • Auswahl von Modellkommunen, in denen möglichst viele Best-Practice Projekte realisierbar sind und ein hoher Grad an Selbstbestimmung und Selbstversorgung getestet wird
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